Human Resources – Gestalter oder Verwalter?

Fragt man nach einem offiziellen Statement, welche Bedeutung Personal im Unternehmen hat, wird man zumeist nur innovatives hören: Human Resources ist „Business Partner“ des Managements, ist laufend eingebunden in alle wichtigen Entscheidungen und Prozesse und manchmal sogar das Statement, dass Personal DER Erfolgsfaktor des Unternehmens ist.

Das klingt doch wunderbar!
Doch ist das Realität?

Es gibt ein paar innovative Unternehmen, die diese Aussagen auch wirklich leben und der Erfolg gibt ihnen Recht. Dort ist Personal Gestalter und damit gleichberechtigter Inputgeber wie Organisations- und Produktentwicklung, Sales oder Marketing. Denn wenn eine Organisation verändert, optimiert oder sogar neu strukturiert wird, hat das natürlich einen großen Einfluss auf die Mitarbeiter. Besonders in solchen Prozessen darf man die Unternehmenskultur und das Wertesysteme für das, das Unternehmen steht nicht vergessen. Ein klarer Auftrag für Human Resources.

Es muss gar nicht immer der große „Change“ sein um zu erkennen welchen Stellenwert Personal in der Organisation hat. Wie es um die Positionierung bestellt ist, erkennt man am besten im Arbeitsalltag:

  • Sind Mitglieder der Personalabteilung in strategisch wichtigen Jour Fixen vertreten?
  • Hat der Personalchef ein regelmäßiges Meeting mit dem Geschäftsführer oder Vorstandsvorsitzenden?
  • Sind Personaler bei strategisch wichtigen Prozessen/Projekten von Anfang an involviert und können diese challengen, hinterfragen und auch nachhaltig beeinflussen?

Wenn die Antwort auf diese Frage „ja“ lautet, dann sind Ihre Human Resources Mitarbeiter „Gestalter“ – Gratulation!

Müssen Sie diese Frage für Ihr Unternehmen jedoch verneinen, haben Sie eher Personalverwalter.

Zumeist wird es so sein, dass die HR-Abteilung in Projekten erst dann aktiv wird, wenn es schon an die konkrete Umsetzung geht – wenn zum Beispiel Schulungen angepasst, Benefits entwickelt, Führungskräfte gecoacht oder Verträge/Arbeitsbedingungen geändert werden müssen. In vielen Fällen sind dies Aktionen reaktiv, das heißt der Rahmen für das Projekt/Prozess wurde längst definiert und nun werden die Personalagenden „nachgezogen“. Im Allgemeinen geht es um Abwicklungs- und Verwaltungsaufgaben.

In diesem Stadium kann ein Prozess, eine Strategie oder ein Projekt jedoch nur noch marginal in der Grundstruktur verändert werden. Und dass, obwohl die Mitarbeitersicht eine ganz wichtige wäre.
Eigentlich nicht nachvollziehbar. Denn in vollmundigen Statement werden die Mitarbeiter oft als die wichtigste Ressource der Zukunft beschrieben. Wie heißt es so schön in vielen Employer Branding Initiativen: „Ziel ist es die besten Mitarbeiter finden und halten“! Und wird nicht in diesem Zusammenhang, schon seit mehreren Jahren, die Phrase „War for Talents“ gedroschen?

Genau hier sollte die wichtige Schnittstelle zwischen Management und Mitarbeitern – die Personalabteilung – ins Spiel kommen! Sie kennen die Mitarbeiter, sind die Hüter und Bewahrer der Unternehmenswerte und haben einen guten Gesamtüberblick über alle Bereiche und Ebenen. Durch ihren Input könnten Abläufe, welcher Art auch immer, so gestaltet werden, dass sie auch zum Unternehmen und der Kultur passen.

Das ist natürlich nur dann möglich, wenn man der HR-Abteilung und deren Protagonisten den entsprechenden Freiraum gibt. Denn selbst in großen Unternehmen erwartet man oft, dass der Personalleiter eine Koryphäe in der Personalverrechnung ist, die Verwaltung und damit SAP-HR im kleinen Finger hat und sowieso der Arbeitsrechtexperte schlechthin ist. Letzteres natürlich für mindestens drei unterschiedliche Länder, sofern man international tätig ist. Um alleine diesen Aufgaben wirklich nachkommen zu können, müssen die Personaler in diesen Bereichen wirklich zu Experten werden. Denn bei SAP, im Arbeitsrecht und auch in der Lohnverrechnung muss man ständig am Ball bleiben um den aktuellen Überblick zu behalten.
Bei solchen Erwartungen in ein Personalmanagement, gibt es natürlich keinen weiteren Gestaltungsspielraum! Der Fokus liegt bei der Verwaltung!

Aber muss das sein? – Nein!

Genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen! Einige wenige Unternehmen nehmen die Mitarbeiterzentrierung wirklich ernst. Sie sind sich bewusst, dass man nur über zufriedene Mitarbeiter auch zu zufriedenen Kunden (intern wie extern) kommt. In solchen Organisationen haben die Personalabteilungen den klaren Auftrag sich Gedanken zu machen, wie die Arbeitsbedingungen und das Arbeitsumfeld für ihre Belegschaft verbessert und optimiert werden und die Unternehmenswerte erlebbar gemacht werden können.

Dort wo Personal für die wirklich wichtigen Aufgaben freigespielt wurde, sind besagte Verwaltungsaufgaben in eigene Administrationsabteilung verlagert worden, die sich explizit nur mit diesen Dingen beschäftigen und daher auch immer up-to-date sind. Oder man hat den Bereich sogar komplett ausgelagert. Nichts gegen Arbeitsrecht und Lohnverrechnung, dort muss auf hohem Niveau und professionell gearbeitet werden. Allerdings sind das keine Bereiche, weswegen ein Bewerber sich für das Unternehmen entscheiden wird oder nicht. Zumindest ist mir das folgende Statement nicht bekannt: Ich habe mich für die Firma XY entschieden, weil sie dort so eine tolle Lohnverrechnung habe und das Arbeitsrecht ist auch großartig!

Aber Bewerber entscheiden sich für jene Unternehmen, wo sie das Gefühl haben, dass dort ein Management agiert, dem die Mitarbeiter wirklich wichtig sind. Wo das, was einem versprochen, auch tatsächlich eingehalten und man vom ersten Tag an weiß, was einen erwarten wird und womit man zukünftig noch rechnen kann. Kurz gesagt ein klares Angebot von einer Unternehmenskultur, bei der jeder selbst entscheiden kann ob man dazu passt oder nicht.
Auch die bestehende Belegschaft kann sich darauf verlassen, dass Veränderungen, neue Projekte und Prozesse im Eingedenk des bestehenden Wertsystems abgewickelt werden. Diese Sicherheit und dieses Vertrauen erzeugen eine starke Mitarbeiterbindung und hohe Zufriedenheit.

Die Gestalter und Entwickler der mitarbeiter- und wertorientierten Rahmenbedingungen sind zumeist Personaler – wenn man sie lässt!

Daher mein Appell:

Befreien Sie Ihre HR-Abteilung von den Ketten der Administration und lassen Sie Human Resources mitgestalten – es zahlt sich aus!

Beste Grüße,
Jürgen Pfeiler

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